Wenn Hausärzte Antidepressiva verschreiben...

... dann ist durchaus Vorsicht geboten. Hier ein Beispiel.

 

Frau X geht es seit einiger Zeit sehr schlecht. Es ist bei weitem nicht nur, dass sie abends schlecht einschläft, sondern morgens oft vor dem Wecker klingeln wieder wach ist. Lust zum Aufstehen hat sie in keiner Weise und erst recht nicht um sich morgens ein Frühstück zu machen. Sie grübelt fast den ganzen Tag und ihr passiert schon beim Zähneputzen das erste Missgeschick. Anstatt der Zahnpasta macht sie Flüssigseife auf die Zahnbürste. Mit dem Auto kann sie schon seit ein paar Wochen kaum noch fahren. Zu oft kommt es vor, dass sie beinahe ein Unfall gebaut hätte. Sie fährt mit der Bahn. Durch ihr ständiges grübeln, hat sie gestern das erste Mal die Haltestelle verpasst. Beim Diktate schreiben auf der Arbeit, braucht sie fast doppelt so lange wie sonst. Sie kann sich einfach nicht mehr konzentrieren...

 

So etwas haben viele Menschen schon einmal gehört oder gelesen. Depressionserfahrene werden hier wahrscheinlich mit dem Kopf nicken.

Doch zurück zu Frau X.

 

Der Mann von Frau X ist verzweifelt. Er weiß sich nicht mehr anders zu helfen und schleppt seine Ehefrau zum Hausarzt. Sie ist gerade noch in der Lage, oben Geschildertes dem Arzt zu erzählen.

Dass sie inzwischen ihr Leben ziemlich sinnlos ansieht und sich wünschte, dass alles bald ein Ende hätte, erzählt sie dem Arzt lieber nicht. Genauso wenig wie, dass durch ihre Antriebslosigkeit, sich ihr Freundeskreis sehr dezimiert hat. Immer wieder greift sie zu den Schlaftabletten, die ihr die Schwägerin gegeben hat.

Der Allgemeinmediziner will ihr Gutes und verschreibt ihr ein antriebssteigerndes Medikament.

Drei Wochen später ist Frau X nach einem Suizid verstorben.

 

Zugegeben ein sehr extremes Beispiel, dennoch denkbar und schon oft so passiert.

Durch ein eventuell antriebssteigerndes Antidepressiva, kann Frau X den letzten Antrieb für einen Suizidversuch erlangen. Immer noch machen »unerfahrene« Hausärzte diesen Fehler.

Hierauf ist unbedingt zu achten. Im Zweifel sollte solch ein Medikament nur durch einen Facharzt verschrieben werden. Zudem ist es ratsam, wenn der Patient engmaschige Termine zur ärztlichen Beobachtung bekommt. 

 

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© Stefan Gatzemeier