Suizid

Beim Thema psychische Erkrankungen kommt man in der Regel nicht am Thema Suizid vorbei. Was nicht heißt, dass jeder psychisch erkrankte Mensch automatisch Selbsttötungsgedanken hat. Bei den in diesem Kapitel genannten Statistiken berufe ich mich auf die vom Robert Koch Institut erstellten Statistiken im Auftrag des statistischen Bundesamtes sowie Statistiken der WHO.

Vorab möchte ich zuerst mit einem ganz großen und folgenschweren Vorurteil mich auseinandersetzen. 

„Wer über Suizid spricht, der tut es nicht“! Ganz nach dem Motto: Hunde, die bellen, die beißen nicht!

Fakt ist das genaue Gegenteil! 
Auf 10 Selbstmörder kommen 8, die unmissverständlich vorab von ihren Absichten gesprochen haben.
Ein Suizid geschieht immer mit Vorzeichen. Nur leider werden diese zu spät beziehungsweise gar nicht wahrgenommen. Im schlimmsten Fall werden die Menschen nicht ernstgenommen. Für Angehörige werde ich unten eine ganze Reihe von Anzeichen, für eine mögliche Suizidgefährdung, aufzählen. 
Tötungsgedanken sprechen nicht gegen den Willen zu leben. Auch wollen die meisten Suizidenten sich zwangsläufig nicht das Leben nehmen. Sie schwanken zwischen den Gedanken an den Tod und dem Leben. In der Regel haben diese Menschen nichts gegen das Leben, sondern nur gegen das Leben, wie es für sie gerade ist. Nur durch die Aussichtslosigkeit und Hoffnungslosigkeit sehen die meisten keinen anderen Ausweg mehr. 
Gefährlich ist die Zeit, in der sich eine suizidale Krise auflöst. Der Patient hat neue Energie gewonnen und ist statistisch gesehen gerade jetzt sehr gefährdet. So wird in Krisenzeiten von Psychiatern in den Kliniken auch kein antriebssteigerndes Medikament verabreicht. Somit versucht man zu verhindern, dass der Patient neue Energie für einen Suizidversuch bekommt.

Was spricht für ein erhöhtes Suizidrisiko?

• Frühere Suizidversuche oder suizidale Äußerungen
• Vorkommen von suizidalen Handlungen oder Androhungen im Bereich der Verwandtschaft oder näherem Freundes/Kollegenkreis. Hier droht eine Sogwirkung bzw. eine Identifikationsneigung. Der Suizidgedanke wird hier „getriggert“ 
• Offen Androhungen eines Suizids des Patienten
• Äußerungen über konkrete Ausführungen und Vorstellungen der Ausführung
• Selbsthass und Vernichtungsgedanken
• Langandauernde Schlafstörungen
• Beginn oder abklingen depressiver Phasen
• Unterdrückte Gefühlsausbrüche und Aggressionsstauungen
• Schwere Schuldgefühle
• Medikamentensucht, Drogensucht und oder Alkoholismus 
• Familiäre Probleme
• Fehlen oder Verlust von sozialen Kontakten
• finanzielle Schwierigkeiten
• Fehlen von Lebenszielen

Dieses ist natürlich nur eine kleine Auswahl an Anzeichen, bei denen man bei psychisch labilen Menschen schon mal näher hinschauen sollte. 
Die im Alltag üblichen, meist auch sinnvollen, Vorschlägen und Aufmunterungen sind meist wirkungslos und sogar fehl am Platz. Der Betroffene hat in der Regel meist schon über alles nachgedacht und bekommt so den Eindruck, es wäre wirklich alles hoffnungslos. Es gibt gezielte Fragen, die man einem Patienten in solch einer Zeit stellen kann. Diese sollten aber ausschließlich Fachleuten vorbehalten sein. Ist der Patient ein Angehöriger kann man auch bei seinem Hausarzt oder am Krisentelefon Hilfe bekommen. Entsprechende Telefonnummern stehen in dem Telefonbuch oder sind dem Internet zu entnehmen. 

Eins sollte uns allen klar sein:

Jedem Suizid geht ein missglücktes oder nicht statt gefundenes Gespräch voraus. Selbstmörder ist man lange, bevor der eigentliche Suizidversuch stattfindet. Selbstmord ist die Abwesenheit anderer. 

Ein Suizid beendet ein Problem, es löst aber keins! 

Die Fachleute sprechen von den 3 Phasen eines möglichen Suizids. 
1. Die Erwägung
Patienten sehen einen Selbstmord als Lösung an. Der Betroffene zieht sich zurück und isoliert sich sozial. 

2. Die Abwägung
In der zweiten Phase gewinnen die Suizidgedanken an macht. Es fällt dem Betroffenen immer schwerer, sich von den Gedanken zu distanzieren. Der Patient setzt sich mit Möglichkeiten seiner Absichten gezielt und stetig auseinander. Es kommt durch Andeutungen zu sogenannten Hilferufen. 

3. Der Entschluss
Bei ausbleibender Hilfe nehmen die Gedanken immer mehr zu. Der Patient wird auffällig ruhig und gelassen. Dieses ist die sogenannte Ruhe vor dem Sturm. 


Herkunft/Bedeutung

Das Wort Suizid wird hauptsächlich in der wissenschaftlichen und medizinischen Sprache verwendet. Der Begriff Selbsttötung und Selbstmord wird oft zu stigmatisierend gesehen. Von dem Wort Freitod wird komplett Abstand genommen. Gerade ein depressiver Mensch ist alles andere als frei. Seine Erkrankung bringt oft suizidale Gedanken mit sich, die sich im Kopf festsetzen. 

Ursachen/Statistiken 

90 % aller Suizide bzw. Versuche der westlichen Welt lassen sich auf psychische Erkrankungen zurückführen. Am häufigsten sind die Depressionen und bipolaren Störungen (früher manisch depressiv) betroffen. Suchterkrankungen, chronische Schmerzen sowie Störungen der Persönlichkeit spielen eine wichtige Rolle. Diese haben oftmals einen fließenden Übergang in eine Depression. Eine interessante Statistik besagt, dass die Suizidrate von Ärzten 3,4-mal höher ist, als die anderer Bürger. Die der Ärztinnen ist sogar 5,7-mal höher. Neben den Stressoren im Beruf dürfte hier auch die Verfügbarkeit von entsprechenden Medikamenten, die zum Suizid führen, ein wichtiger Faktor sein. 
Ebenfalls wurde herausgefunden, dass 3%-4% aller depressiv erkrankten Menschen, durch einen Suizidversuch oder seinen späteren Folgen sterben. Im Jahr 2008 wurden in Deutschland offiziell 9451 Sterbefälle durch Suizid gemeldet. Dabei ist auffällig, dass es sich hierbei um dreimal mehr Männer als Frauen handelt, obwohl die diagnostizierte Rate von Depressionen bei Frauen, in allen Altersklassen ab 18, wesentlich höher ist, als die der Männer.

 

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© Stefan Gatzemeier