Psychologe, Psychiater & Co.

„Du solltest mal zu einem Psychiater auf die Couch“. Diesen Satz haben bestimmt schon viele von uns bei einer Auseinandersetzung mit einem Freund gehört. 
Dieser Facharzt wird seine Patienten in der Regel nicht auf einer Couch behandeln. 
Zunächst möchte ich die Unterschiede zwischen Psychologe, Psychiater und Psychotherapeut und Co. erläutern.

Was oder wer ist ein Psychiater? 

Er ist, wie schon gesagt, ein Facharzt für seelische Beschwerden. (Griechisch, psychē „Seele, Leben“) Er ist ein Arzt, der sich mit der Diagnose, Therapie und Prävention psychischer Krankheiten beschäftigt. Seine Aufgabe ist es, Diagnosen zu stellen, körperliche und apparative (Wahrnehmung von z.B. Worte, Geräusche, Musik, Bilder, Gegenstände) Untersuchungen durchzuführen und medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapien anzuordnen. 
Somit ist er auch für die Behandlung von Depressionen mit Arzneien verantwortlich. 
Oftmals verschreiben heute schon Allgemeinmediziner Antidepressiva, was meiner Meinung der absolut falsche Weg ist. Ein schwer depressiver Patient kann unter Umständen durch ein antriebssteigerndes Medikament so viel neuen Antrieb bekommen und erlangt so den letzten Schwung für einen Suizid. Somit würde ich immer den Gang zum Facharzt vorziehen. Ziel sollte es doch auch sein, so lang wie möglich ohne Medikamente auszukommen und nur mit Hilfe der Psychotherapie aus der Abwärtsspirale wieder herauszukommen. Das kann und sollte allerdings einzig und allein ein Facharzt entscheiden und bewerten. 
Wir wissen nun, dass der Psychiater der Arzt für die Seele ist. Daher rühmt auch der Begriff „Seelenklempner“. Die Fachrichtung Seelenarzt, wie man früher ebenfalls sagte, ist eine der ältesten die es gibt. Doch traurigerweise werden die Leistungen eines Arztes für seelische Leiden, geringer angesehen als die eines zum Beispiel Chirurgen. Was auch daran liegt, dass man die Erkrankungen die ein Chirurg behandelt in der Regel sieht. Hingegen man eine Depression, eine Psychose oder eine Angststörung nicht sehen kann. Einzig die Symptome werden sichtbar. Die Seele, der Geist ist erkrankt. Man wird von der Allgemeinheit als verrückt eingestuft. Das war nicht nur vor 100 Jahren so, dass ist unerfreulicherweise heute noch gang und gäbe. Das Verständnis für eine psychische Erkrankung in unserer Gesellschaft ist leider noch viel zu gering für das 21. Jahrhundert. Hier kann man sich streiten, warum das so ist. Unstrittig ist hingegen, dass die Aufklärung der Bevölkerung, aber auch der Betroffenen nicht ausreichend ist. Dass hier etwas geschehen muss, zeigen ebenfalls die ständig steigenden diagnostizierten psychischen Erkrankungen.

Der Neurologe

Dieser behandelt oftmals sekundär psychische Beschwerden, aber der Psychiater ist der sogenannte Speziallist auf dem Gebiet der Psyche. Der Neurologe hat an sich nichts mit dem seelischen Befinden der Patienten zu tun. Ihn interessieren primär die Leitfähigkeit der einzelnen Nerven. Ein Patient mit Gefühlsstörungen in den Extremitäten wird sicherlich einen Neurologen an seiner Seite finden. Genauso die Menschen, die einen Schlaganfall haben, werden in dem Krankenhaus beziehungsweise in der Rehabilitation auf Neurologen treffen. 

Es gibt aber auch einen Facharzt für Psychotherapie.

Facharzt für Psychotherapie (Studiengänge vor 1994) 

Dieser hat ebenfalls neben des abgeschlossenen Medizinstudiums, noch eine Facharztausbildung und eine Approbation (Genehmigung zur Ausführung des Berufszweiges nach bestandener Prüfung) zum Psychotherapeuten. Er kann nicht nur Medikamente verschreiben, sondern mit dem Patienten eine Psychotherapie durchführen. Viele Ärzte beschränken sich aber meist auf ein Gebiet. Entweder Arzt oder Therapeut.


Der Nervenarzt

Der Nervenarzt ist ebenfalls ein studierter Mediziner mit den Facharztausbildungen zum Psychiater und Neurologen. Aus der damaligen Facharztausbildung zum Nervenarzt sind zwei Ausbildungen hervorgegangen. Die zum Neurologen und dem des Psychiaters. 

Nun kommen wir zu den nicht medizinischen Studiengängen. 

Der Psychologe

Der Psychologe hat ein Studium in Psychologie abgeschlossen und trägt nach bestandenem Diplom die Bezeichnung Diplom Psychologe (Dipl. Psych.). Mit den heutigen Studiengängen gibt es die Bezeichnung Bachelor of Science (B.Sc.) und Master of Science (M.Sc.). Das Diplom ist hier gleichwertig mit dem Master zu sehen. Der Bachelor ist eine Mindestanforderung an den Masterstudiengang und mit einem Fachabschluss zu vergleichen. Niemand von ihnen ist allerdings berechtigt, außerhalb eines psychiatrischen Krankenhauses oder einer Institutsambulaz eigenständig Patienten zu therapieren. Zur Behandlung in einer eigenen Praxis bedarf es einer Zusatzausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten. (Approbation) Hier bekommen lediglich Akademiker mit einem Diplom oder Master in Psychologie Zugang zu. Der Begriff des psychologischen Psychotherapeuten ist gesetzlich geschützt und entstand aus einer Art Dilemma. Die Bezeichnung Psychologe ist nicht geschützt und zu viele Berufszweige durften sich Psychologe nennen. Dieses war für den Patienten sehr undurchsichtig, gefährlich und man versuchte, so Abhilfe zu schaffen. 
Die Psychologen, die in den Krankenhäusern tätig sind, machen meist ihre Ausbildung zum psychologischen Psychotherapeuten. (Psychologe in Ausbildung; auch PIA) Mit erhalt der Approbation, dürfen sie sich dann auch selbständig machen und eine eigene Praxis eröffnen. 


Als Letztes möchte ich gerne den Heilpraktiker für Psychotherapie aufführen. Dieser Bedarf keines Studiums, lediglich eine Prüfung vorm Amtsarzt. Der Heilpraktiker ist selbständig in der Lage körperliche und psychische Diagnosen zu stellen. Die Abrechnung über die gesetzlichen Krankenkassen ist zurzeit aber nur mit einer Zusatzversicherung möglich. 

 

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© Stefan Gatzemeier