Der Schwarze Hund

Eine von vier Frauen und einer von sechs Männern erleben mindestens einmal im Leben eine Depression. Wer von einer Depression überfallen wird, hat kaum Wahlmöglichkeiten mehr, denn die meisten Depressionen sind behandlungsbedürftig. Es gibt viele Ratgeber, die bei dieser tückischen Krankheit helfen, doch wer hat in diesem Moment noch die Kraft etwas zu lesen? Meist sind die Betroffenen über Wochen, Monate und sogar Jahre hinweg unter anderem traurig, verzweifelt, antriebslos. Die Symptome sind vielschichtig und oft verschieben oder verändern sie sich auch, reihen sich aneinander. Der berühmte Rattenschwanz ist geschaffen. Wer schlecht schläft, kann sich tagsüber schlecht konzentrieren. Wer sich schlecht konzentrieren kann, braucht mehr psychische Kraft, um sein Alltagspensum zu schaffen. Man ist sehr schnell erschöpft. So könnte man das immer weiterführen. Doch leider ist bis heute das Thema ein Tabu. Das ändert leider auch kein kurzes Wachrütteln, wenn sich ein Spitzensportler in Behandlung begibt. Viele Betroffenen möchten sich nicht vor Freunden und Bekannten öffnen, weil sie Angst davor haben, nicht ernst genommen oder gar als „Psycho“ bezeichnet zu werden. Ich bin da keine Ausnahme und es ist während der letzten Jahre ein unheimlicher Druck so entstanden. Teilweise ist es ein Leben in Lügen. Gesunde können sich selten ein Bild davon machen, wie es im Kopf eines Betroffenen aussieht. Oft fallen die Worte: Zusammenreißen, nicht so anstellen oder gar Faulheit.
Der Autor Matthew Johnstone hat bemerkenswert Abhilfe geschaffen. Er erklärt anhand eines Bilderbuches mit wenig Text die Krankheit Depression. Das Wort Depression taucht in dem Buch nur im Vor- und Nachwort auf. Im Buch selber findet man immer wieder Metaphern dafür. Durch die Visualisierung kann der Betroffene sich erste Informationen zu der Krankheit einholen und der Außenstehende kann sich wortwörtlich ein Bild machen. Die Depression bekommt die Form des schwarzen Hundes. Man muss ihn begreifen und verstehen, wenn man ihn schon nicht abschütteln kann. Man kann ihm auch gehorsam beibringen. Die bildliche Darstellung lässt nicht nur den Betroffenen schneller verstehen. Wenn ich heute in der Therapie oder beim Arzt versuche etwas zu beschreiben und mir die Worte für die Gefühle, die in mir vorherrschen fehlen, fange ich automatisch an in Bildern zu sprechen. Das hat mir immer sehr geholfen. Viele Therapeuten/innen schlagen ihrem Patienten die „Schwarze Hund Methode“ vor, um über ihre Depression zu sprechen. Ziel ist es, den schwarzen Hund an die Leine zu nehmen. Auch der Autor selber ist so durch seine Depression gekommen.

 

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© Stefan Gatzemeier